
Öffentliche Beschaffung digital und zukunftsfähig gestalten
Öffentliche Beschaffung digital und zukunftsfähig gestalten.
Öffentliche Beschaffung muss mehr leisten als eine regelkonforme Vergabe. Sie muss Haushaltsmittel wirtschaftlich einsetzen, Entscheidungen nachvollziehbar dokumentieren, Nachhaltigkeitsanforderungen berücksichtigen und die Versorgung kritischer Infrastruktur sicherstellen.
Ein großer Wasser- und Abwasserverband entwickelte seine Beschaffungsfunktion deshalb schrittweise weiter. Ausgangspunkt war keine Softwareauswahl, sondern die fachliche Grundlage: eine Warengruppenstruktur, die Transparenz schafft und moderne Beschaffungsprozesse unterstützt.
Das Projekt im Überblick
Projektumfang
Öffentliche Verantwortung trifft auf gewachsene Strukturen
Die bestehende Warengruppenlogik erfüllte die Anforderungen interner Kunden und des Marktes nicht mehr ausreichend. Einschränkungen bestanden unter anderem bei Benutzerfreundlichkeit, Prozessautomatisierung, Zuordnung von Bedarfsanforderungen, Lieferantenmanagement und Ausgabentransparenz.
Das beeinträchtigte nicht nur interne Auswertungen. Ohne konsistente Warengruppen lassen sich Bedarfe schwerer bündeln, Zuständigkeiten weniger eindeutig zuordnen und Lieferantenportfolios nur eingeschränkt steuern.
Hinzu kommen die besonderen Anforderungen eines öffentlichen Infrastrukturversorgers: Vergaberechtliche Verfahren müssen nachvollziehbar bleiben; Wirtschaftlichkeit darf nicht zulasten von Versorgungssicherheit und Rechtssicherheit gehen.
Die Datenstruktur als Ausgangspunkt
Die Warengruppenstruktur wurde neu konzipiert, um mehrere Ziele zu unterstützen: höhere Benutzerfreundlichkeit, schnellere P2P-Prozesse, bessere Zuordnung von Bedarfen sowie mehr Transparenz für Lieferanten- und Warengruppenmanagement.
Damit wurde aus einer scheinbar technischen Klassifikationsfrage ein Steuerungsthema. Eine belastbare Datenstruktur erleichtert Auswertungen, schafft Verantwortlichkeit und bildet die Grundlage für weitere Automatisierung.
Auf dieser Basis wurden strategisches Warengruppenmanagement und Lieferantensteuerung weiterentwickelt. Versorgungssicherheit, Rechtssicherheit, Wirtschaftlichkeit, Nachhaltigkeit, Innovation und Widerstandsfähigkeit wurden als Anforderungen an Lieferantenstrategien und Entwicklungsmaßnahmen beschrieben.

Digitalisierung unter vergaberechtlichen Rahmenbedingungen
Im nächsten Schritt wurde die digitale Zielarchitektur konkretisiert. Die Ausgangsanalyse zeigte, dass ein größerer Anteil von Bestellungen über „Freitext“ beziehungsweise nicht katalogisierte Bedarfe läuft. Die Lieferantenbewertung erfolgte nicht in allen relevanten Warengruppen Excel-basiert.
In einem strukturierten Praxistest wurden Anforderungen an Katalogbeschaffung, Dienstleistungen, Sourcing, Lieferantenbewertung und Folgedokumente untersucht. Formelle Vergabeverfahren sollten weiterhin über die bestehende Vergabeplattform abgewickelt werden. Nicht formelle Direktbeschaffungen, kleinere Bieterverfahren und strukturierte Preisanfragen sollten dagegen in der zukünftigen Einkaufslösung unterstützt werden können.
Diese Abgrenzung ist für öffentliche Auftraggeber entscheidend: Digitalisierung muss bestehende vergaberechtliche Zuständigkeiten respektieren und zugleich operative Beschaffungsprozesse vereinfachen.
Ergebnisse und Mehrwert
Neu strukturiert
Abgestimmt
In Begleitung
Was sich verändert hat.
Die neue Warengruppenstruktur schafft eine verbesserte Grundlage für Ausgabentransparenz, Zuständigkeitssteuerung, Lieferantenmanagement und automatisierte P2P-Prozesse.
Der Praxistest konkretisierte die Anforderungen an die zukünftige digitale Einkaufslösung. Kataloge, Freitextbedarfe, Dienstleistungen, Lieferantenbewertung, Sourcing und die Abgrenzung zur formellen Vergabe konnten in einer gemeinsamen Zielarchitektur betrachtet werden.
Die Implementierung wird fachlich und organisatorisch begleitet. Ziel ist eine praxistaugliche, standardnahe und zugleich organisationsgerechte Umsetzung der zukünftigen Einkaufs- und P2P-Prozesse.
Veröffentlichbare finanzielle Effekte oder Veränderungen von Durchlaufzeiten liegen derzeit nicht vor. Nachweisbar geschaffen wurden die fachlichen und organisatorischen Voraussetzungen für mehr Transparenz und digitale Unterstützung.
Was andere öffentliche Auftraggeber daraus lernen können
Öffentliche Beschaffung sollte nicht mit der Systemauswahl digitalisiert werden. Zunächst müssen Datenstruktur, Zuständigkeiten, Prozesse und die Abgrenzung zu formellen Vergabeverfahren geklärt sein.
Eine moderne Einkaufslösung ersetzt keine Vergabeplattform. Sie kann aber operative Bedarfe, Katalogbeschaffung, Lieferantensteuerung und nicht formelle Anfragen deutlich besser unterstützen, wenn die Systemgrenzen bewusst gestaltet werden.
Die Rolle von 
amc begleitete die Entwicklung von der Warengruppenstruktur über Lieferanten- und Warengruppenmanagement bis zur Auswahl und Implementierung der neuen Einkaufslösung. Der Beitrag verbindet fachliches Prozesswissen, organisatorische Steuerung und die besonderen Anforderungen der öffentlichen Beschaffung.
Lassen Sie uns über Ihre Herausforderungen sprechen

